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Familienkunde Bultmann


Herkunft und Verbreitung der Familie Bultmann 
16. bis Anfang 20. Jahrhundert

a) Eydelstedt, Kirchspiel Barnstorf bei Diepholz 

Unsere Bultmanns stammen ursprünglich aus Eydelstedt, einer kleinen Landgemeinde in der Nähe von Diepholz. Dort ist im Landschatzregister der Grafschaft Diepholz 1562 ein Borchert in den Bülten nachweisbar.
Zur Besonderheit unserer Familie gehört, dass der Name Bultmann weitervererbt wurde, obwohl Hinrich Bultmann 1729 ohne männlichen Erben starb. Seine Tochter und Anerbin Beke Maria  ehelichte Hinrich Wolting oder Wohlking aus Donstorf, der bei der Einheirat auf den Hof Bultmann - wie damals in Niedersachsen üblich - den Namen des Hofes annahm.

Bisher hatten wir angenommen, dass die Vaterlinie der Nachkommen von Beke Maria Bultmann und Hinrich Wohlking über den Namen Wolting/Wohlking weiterlaufen würde. Deshalb hatte ich eine Ahnenreihe bis zu Rolf Woltting aus Donstorf, der 1595 im Türkensteuerregister der Grafschaft Diepholz aufgeführt wird, zusammengestellt. Diese Konstruktion hat sich jetzt als falsch erwiesen, denn im Januar 2009 erhielt ich vom Familienforscher Heinz Promann auf der Grundlage seiner Auswertung der Kirchenbücher von Barnstorf und Jacobidrebber eine neue Übersicht über unsere Familie. Dieser Übersicht verdanke ich eine große Zahl von Ergänzungen der von Heino Hartmann ab ca. 1967 gesammelten Namen unserer Vorfahren und Familienangehörigen im Raum Eydelstedt, vor allem aber die Erkenntnis, dass nicht nur Hinrich Wohlking, sondern bereits sein Vater auf einen anderen Hof, den Wohlking-Hof in Donstorf, eingeheiratet hatte. Der eigentliche Name des Vaters war Johann Harm Aufurth. Er stammte vom Vollmeierhof Aufurth in Düste.
Der älteste bisher bekannte Vorfahre in unserer Vaterlinie ist damit nicht Rolf Woltting, sondern Didrich Aufurth (um 1590-1675).

Die isolierte Lage des ehemaligen Bultmannschen Brinksitzerhofes außerhalb des geschlossenen Dorfes Eydelstedt ist bis heute erhalten und insbesondere an dem Überrest einer Windmühle, die immer noch in Landkarten verzeichnet ist, gut zu erkennen. Der letzte Eydelstedter Bultmann, Johann Hinrich, folgte seinem ältesten Sohn, der 1830  ausgewandert war, nach Amerika. Er verkaufte 1845 den Hof für 1700 Thaler Courant an den Zimmermann und Müller Bernhard Heinrich Detering (1805-1885), verließ mit seiner Familie an Bord der Bremer Bark "Leontine" Europa, betrat am 13. Dezember 1845 in New Orleans amerikanischen Boden und begab sich von dort auf den weiten Weg nach Ohio.

Weitergehende Informationen zu Eydelstedt, zum Bultmann-Hof und zur Auswanderung finden Sie im Kapitel Eydelstedt und den Unterkapiteln Auswanderung und Stellnachfolge

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b) Vahr - Kirchspiel Horn bei Bremen

Das nebenstehende Foto zeigt die Stelle in Eydelstedt, an der der Hof der Familie Bultmann lag. Die “Insel”-Lage des ehemaligen Brinksitzer-Hofes hat sich bis heute erhalten. Der Gebäudebestand  aber ist nach dem Verkauf im Jahr 1845 im Lauf der Jahre vollständig verändert worden.
Hartmann berichtet, dass der zweite Nachbesitzer, der Windmüller Wilhelm Kattau,   das Hauptgebäude abgeris-sen und dort 1885 die Holländer-Windmühle erbaut habe, von der heute nur noch der untere Teil erhalten ist. Aus einem Flurkarten-ausschnitt geht aber hervor, dass bereits 1873 an dieser Stelle  eine Mühle eingemessen worden ist.
Von den Gebäuden aus der Bultmann-Zeit war 1873 außer dem an anderer Stelle gelegenen Häuslingshaus  bereits nichts mehr erhalten.

Foto: Fritz Bultmann, 2004

Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert vor der Auswanderung der letzten Eydelstedter Bultmanns hatte es Friedrich Hinrich Bultmann, den zweitgeborenen Sohn der oben erwähnten Beke Maria Bultmann, in den damals hannöverschen Teil der Vahr bei Bremen verschlagen. Aktenkundig wurde er dort im Jahr 1782 durch seine Eheschließung mit Anna Elisabeth Lindhorn aus Hinnebek bei Schwanewede. Fünf Jahre später ersteigerte er in der Vahr Ländereien, genauer gesagt: einen der schmalen, aber langen Streifenhufen, die bereits im frühen 12. Jahrhundert entstanden waren, als holländische Siedler mit Einverständnis des Bremer Erzbischofs Friedrich begannen, das später nach ihnen benannte damals noch sumpfige Hollerland zwischen Wümme und Weser urbar zu machen. Diese Streifenhufen haben bis in die Mitte des 20. Jahrhundert das Aussehen der Vahr und der anderen Hollerdörfer bestimmt. Auf einem solchen errichtete Friedrich Hinrich Bultmann einen neuen Hof, der einer von nur vier freien Höfen war. Alle anderen großen Höfe in der Vahr wurden nach dem Meierrecht bewirtschaftet.

Vier nachfolgende Generationen sind auf diesem Hof aufgewachsen. Von der letzten waren die jüngsten noch im Kindesalter, als der letzte Hofbesitzer, mein Großvater Friedrich Adelbert Bultmann, an einer fortschreitenden Lähmung erkrankte, die bald dazu führte, dass er den Hof nicht mehr bewirtschaften konnte. Da die potentiellen Hoferben noch kleine Kinder waren, musste mein Großvater den Hof und die Ländereien verkaufen. 1908 verließ er mit seiner Familie den Hof und die Vahr. Damit war nicht nur die 126-jährige Geschichte der Familie Bultmann in der Vahr beendet, sondern auch deren über Jahrhunderte gewachsene bäuerliche Tradition.

Mit dem Verkauf ging auch das Anerbenrecht verloren, so dass nach dem Tod des letzten Hofbesitzers der finanzielle Erlös gleichmäßig auf alle Erben verteilt wurde. Damit gab es für den potentiellen Anerben später keine Möglichkeit mehr, aus eigenen Mitteln einen gleichwertigen Hof zu erwerben. Zu einem Trauma wuchs sich bis in die Enkelgeneration hinein aus, dass der größte Teil des Besitzes, der aus Bank- und Hypothekeneinlagen bestand, 1923 während der Inflation vollständig seinen Wert verlor. Damit hatte sich der ehemals so stattliche Hofbesitz zum größten Teil in Luft aufgelöst.

Die Hofbesitzer:

  • Friedrich Hinrich Bultmann (1749-1813)
  • Warner Bultmann (1783-1844), einziger Sohn von Friedrich Hinrich
  • Hinrich Bultmann (1809-1882), ältester Sohn von Warner
  • Friedrich Adelbert Bultmann (1849-1912), dritter Sohn von Hinrich

Die Entwicklung dieses Hofes wird in eigenen Kapiteln dargestellt und findet sich auf nachfolgenden Seiten.

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Hof Bultmann, In der Vahr 73 (Straßenfront)                                                  Foto: Willy Dose, 1908

Erläuterungen zu diesem Bild finden Sie unter \Bilder\Bultmann-Hof Vahr

c) Bremen und Oldenburg (Oldbg) etc.

Der Hof konnte nur von einer Person, dem Anerben oder der Anerbin, übernommen werden. Doch was wurde aus den anderen Nachkommen der Besitzer des Vahrster Hofes und wo blieben sie? 

Zwei blieben in der Landwirtschaft und heirateten in andere Höfe ein, waren dabei aber nicht vom Glück begünstigt:

  • Georg Hinrich (1815-1847) starb keine zwei Jahre nach Übernahme einer Meyerstelle in Schwachhausen. Sein einziger Sohn wurde Bäcker. (Noch während meiner Schulzeit  gab es in Bremen das „Bultmann-Brot“.)
  • Werner (1842-1907), ältester Bruder meines Großvaters Friedrich Adelbert, geriet an einen unleidlichen, tyrannischen Schwiegervater, so dass er dessen Achterdieker Hof mit seiner Familie bald entnervt verließ und eine Milchhandlung mit Milchviehhaltung am „Schwarzen Meer“ in Bremen eröffnete. Das Achterdiek-Erbe hat er erst ein Jahr vor seinem Tod antreten können.

Mehrere machten eine kaufmännische Lehre und führten Geschäfte in Bremen und Umgebung:

  • Werner (1817-1863) wurde ein sogenannter Detaillist und Krameramtsgenosse. Zwei seiner Söhne wanderten aus, darunter Joachim Werner B. (1850-1899), der als Kaufmann nach Puerto Rico (Karibik) ging und zum deutschen Vize-Honorarkonsul ernannt wurde.
  • Hinrich (1855-1905), jüngster Bruder meines Großvaters, führte ein eigenes Tabakgeschäft (Zigar-rengeschäft en gros).
  • Hinrich (1872-1924), ältester Sohn des eben erwähnten Werner, wurde ein selbständiger Kaufmann mit gegensätzlichstem Erfolg. Wirtschaftlicher Zusammenbruch 1924.
  • Hans [Johannes] (1899-1985), Sohn des letzten Hofbesitzers Friedrich Adelbert und Zwillingsbruder meines Vaters, gründete eine erfolgreiche Kies- und Mörtelfirma.

Zwei wurden Millionäre:

  • Lür (1845-1935), ein Bruder meines Großvaters, wanderte zunächst nach Chile aus, gründete dort die Firma Luis Bultmann und Co. und kam im Salpeterhandel zu soviel Geld, dass er sich bereits 1902 vom Geschäft nach Hamburg und schließlich auf einen herrschaftlichen Ruhesitz nach Aumühle im Sachsenwald zurückziehen konnte.
  • Hermann (1874-1959), zweitältester Sohn des bereits oben erwähnten Werner Bultmann, stieg zu einem der führenden Köpfe im Norddeutschen Lloyd auf, wurde später Aufsichtsratsmitglied in zwei anderen Reedereien und schließlich Aufsichtsratsvorsitzender der Atlas Levante Linie AG.

Und zwei wurden Missionare:

  • Friedrich (1811-1887), Bruder meines Urgroßvaters, war ein Vierteljahrhundert im Dienst der British Church Mission Society in Sierra Leone (Westafrika) tätig. Anschließend lebte er in Oldenburg (Oldb), der Heimat seiner dritten Frau. Dort waren auch die zahlreichen Kinder des Ehepaares erzogen worden. Unter den Nachkommen gibt es eine große Zahl von Pastoren und mehrere Theologieprofessoren, darunter Rudolf Bultmann (1884-1976), einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts.
  • Lüer (1819-1847), der jüngste Bruder von Friedrich und meinem Urgroßvater Hinrich,  ist so etwas wie eine tragische Gestalt, denn er starb nach langer Vorbereitungszeit bereits wenige Tage nach seiner Ankunft in Afrika (Gabun) am gefürchteten Klimafieber (Malaria).

Die Töchter heirateten alle nach Bremen. Von Ihnen sei Adelheid (geb. 1862), eine Cousine meines Großvaters, erwähnt, deren Sohn Albert Bote (1889-1961) ein erfolgreicher Baumwollkaufmann und Bauherr (Kirchenvorstand) von Unser Lieben Frauen in Bremen war. Als Rechnungsführer der Bekennenden Kirche hat er in Bremen während des Dritten Reiches eine wichtige Rolle gegenüber den Deutschen Christen und dem Nazi-Regime gespielt.

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