bultmann

familienkunde

Die dritte Generation - Konsolidierung

Hinrich war 31 Jahre alt, als er am 4. Juni 1841 die Hofstelle übernahm. Einen Monat später löste er das in Artikel 1 des Hofstellenüber-gabevertrages gegebene Versprechen ein und heiratete die zwei Jahre jüngere Margaretha Kaemena, die wie ihre Schwiegermutter, Gesche geb. Bremermann, aus einer alteingesessenen und angesehenen Vahrster Familie stammte.

Hinrich Bultmann und Margaretha Kaemena waren übrigens miteinander verwandt, was sie – davon dürfen wir wohl ausgehen – vermutlich selber nicht gewusst haben, da die Ursache ihrer Verwandtschaft weit zurückreicht. Sie liegt auf der Ebene ihrer Ur-Urgroß-eltern. Frerich Behrends (1671 – 1738), Baumann in der Vahr war, heiratete am 19. Juni 1693 in Horn Margarete Sander (1670 – 1747), Tochter des Baumanns Frerich Sander aus der Vahr. Dieser Ehe entsprossen neun Kinder. Über ihren jüngsten Sohn Gerdt geht es über dessen Tochter Gesche zu deren Tochter Gesche Bremermann, Mutter von Hinrich Bultmann. Über den drittgeborenen Sohn von Frerich Behrends und Margarete Sander, Wöltje Behrens (1699 – 1777), ebenfalls Baumann in der Vahr), führen zwei Wege zu Margaretha Kaemena. Der eine geht über seinen Sohn Johann Friedrich und dessen Tochter Adelheid. Der andere führt über Wöltjes Tochter Depke zu deren Sohn aus zweiter Ehe, Heinrich Kaemena, der mit Adelheid Behrens also seine Cousine heiratete.

Die Mitgift, die Heinrich Kaemena seiner Tochter Margaretha für ihre Ehe mit Hinrich Bultmann mitgab, entsprach der Wohlhabenheit seiner Familie und bestand aus 1000 Rth und dem landesüblichen Brautwagen. Zu den Trauzeugen gehörte Johann Schweers, der 1821 seinen Vater, den „alten“ Schweers, als Schullehrer in Horn abgelöst hatte.

Auf die Hofübernahme folgte zwangsläufig ein wenig später der Huldigungs-Eid der Einwohner des Gebiets der Freien Hansestadt Bre-men, den Hinrich als neuer Halbbau-mann zur Vahr am 25. Mai 1842 fei-erlich vor dem Senat abstattete.

Kein Dreivierteljahr später, mit Vertrag vom 21. Januar 1843, löste er das Gutsherrenrecht über das von seinem Großvater und seinem Vater zu Meierrecht erworbene Heuland in der Wetterung ab. Das heißt, Hinrich kaufte dieses Land, das damit in freies Eigentum der Fa-milie überging.

Über das Leben des Ehepaars Hinrich und Margaretha Bultmann ist lange wenig bekannt gewesen. Auch Heino Hartmann, dessen Dar-stellung über die Familie Bultmann auf vielen Gesprächen mit Mitglie-dern der Familie beruht, weiß nicht viel zu berichten. Über Hinrich ver-merkt er lediglich, dass er sein gan-zes Leben auf dieser Hofstelle, da-von fast 40 Jahre verantwortlich wirtschaftend, verbracht habe. Spektakuläre Ereignisse habe es nicht gegeben, den überkommenen Besitz habe er erhalten und ver-mehrt. Die Nachlässe meines Vaters und seiner Schwester Agnes – Enkel und Enkelin von Hinrich und Marga-retha – haben jedoch Schriftstücke und Notizbücher von Hinrich Bult-mann bewahrt, die unsere Kennt-nisse über ihn und über das Leben auf einem Vahrster Bauernhof in der Mitte des 19. Jahrhunderts  ein wenig erweitern.

So beschreibt er in einem Entwurf eines Briefes vom 13. März 1842 an seinen hertzl gelibten Bruder Fridrich, Missionar in Westafrika, in bemerkenswerter, packender Darstellung ein spektakuläres Ereignis, den Eis- und Hochwasserwinter 1840/41 mit seinen für viele Bewohner schlimmen Folgen im Hollerland, dem flachen Landstrich zwischen Weser und Wümme. Bei vielen war die Kartoffelernte durch Wasser und Frost verdorben. Häuser, die nicht auf Warften standen, erlitten durch das Hochwasser große Schäden. Bei der Lektüre dieses Briefes fühle ich mich lebhaft an die vergleichbaren Februar-Hochwasser der Nachkriegsjahre 1946 und 1947 erinnert, die ich als Kind an der Weser oberhalb Bremens auf der Warft meines Elternhauses landunter erlebt habe.

Seine erhaltenen Notizbücher und ein Rechnungsbuch verraten uns einiges über die wirtschaftliche Seite seines Hofes. So erfahren wir, dass er ein hohes Darlehen, dass sein Vater aufgenommen hatte, vorzeitig ablöste, dass er zweimal ein Darlehen in nicht unbeträchtlicher Höhe aufnahm - vermutlich für Investitionen (belegen lässt sich nur eine  bauliche Erweiterung des Hauses) -, dass er die Abfindung für seinen Bruder Georg Hinrich, die im Hofübergabevertrag geregelt war, bei der Fälligkeit, also bei dessen Heirat, deutlich erhöht hat. Wir erfahren, was er in seinem landwirtschaftlichen Betrieb auf den Ackerflächen anbaute und wieviel er dafür auf der Einnahmenreihe verbuchen konnte. Und wir erfahren, dass er für seinen ältesten Sohn Werner, als der sich in einer wirtschaftlichen Notlage befand, ein Darlehen in Höhe von 4.500 Mark aufgenommen hat. In Hinrichs Testament ist Werner dann die Rückzahlung dieses Darlehens erlassen worden, belastete also die Stelle, als diese auf den Anerben Friedrich Adelbert  überging.


Ob sich die Kaemenas auf Johan von der Kemenade, der ab dem Jahr 1331 in Bremer Wappenbüchern auftaucht, zurückführen lassen, ist mir nicht bekannt und ist wohl auch nicht zwingend, obwohl es eine gewisse Wappenähnlichkeit gibt. Die Kaemenas stammen aus dem Kirchspiel Osterholz (mündliche Mitteilung von Werner Kruse, April 2005). Dort gab es eine Kämenade, ein Steinhaus, das zur Komturei (dem Deutschen Ritterorden) gehörte. Dieses besondere Gebäude gab dem Geschlecht der Kaemenas also den Namen. 

Der älteste mir namentlich bisher bekannte Vorfahr von Margaretha Kaemena ist ihr Ur-Urgroßvater Lühr Kaemena, der um 1675 geboren wurde und im Februar 1748 starb. Sein Enkel Lür Kaemena, Margarethas Großvater, gilt als der Stammvater der Kaemenas in der Vahr. Sein Hof lag im Sack am südlichen Ende der Vahr. Der Sack gehörte nicht zum Kirchspiel Horn, was wegen der Entfernung nahe gelegen hätte, sondern zum Kirchspiel Oberneuland. 

Den Kaemenas gelang es zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert durch Erbschaft und Einheirat auf einer ganzen Reihe von Höfen präsent zusein. Eine Übersicht über die Familien Kaemena im Archiv der „Maus“ in Bremen listet 14 verschiedene Höfe im Kirchspiel Horn auf.

Margaretha, die wohl Meta gerufen wurde, stammte vom Spiekerhof und war eine Tochter des Baumanns Heinrich Kaemena und Adelheid geb. Behrens

Ich bedanke mich bei Herrn Franz Prockl aus Berg für dieses Foto

Beispiel einer Einnahme - Ausgabe - Rechnung

Einnahme von 1879

für Vieh Getreide u Stroh                       1.093, 00 M

Sommerwohnung mit Obstgarten         270, 00

für Milch Butter und Gemüse                  678, 95

Obst                                                                     150, 00

Wohnung und Kost für mich                     400, 00    

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                                                                           2.591, 95 M

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Ausgaben

Arbeitslohn für Gräben 

u Gebäudereparatur                                    106, 20

Schmied Sattler

Stellmacher u Pumpen (?)                          126, 80

Landmiete Dienstlohn

Zinsen u (?)                                                    1.690, 72

Abwässerung                                                      53, 12

Wetterungsverband                                        75, 72

Gemeindeauflage                                             15, 26

Kreisabgabe                                                        27, 70

Einkommensteuer                                            10, 00

Grundsteuer                                                    110, 94

Sonstige Ausgaben                                       135, 00    

                                                                        ________________

                                                                           2.334, 95 M

Im Jahr 1879 brachte - wie vermutlich in jedem Jahr - der Verkauf von Vieh, Getreide und Stroh dem Hof die meisten Einnahmen, gefolgt von Milch, Butter und Gemüse. Zusätzliche Einnahmen konnten dadurch erzielt werden, dass den Sommer über das Sommerhaus an einen wohlhabenden Städter vermietet wor-den war. Nach der Saison wurde in dem Haus Obst gelagert.

Die größten Ausgabenanteile haben Landmie-te, Lohnkosten, Zinsen und Pacht für etwas, das auch auf einer zusätzlichen Zusammen-stellung für dieses Jahr nicht entzifferbar ist („Dreckkar“?). 

Bei den steuerlichen Belastungen des Hofes fällt die Höhe der Grundsteuer im Vergleich mit der Einkommenssteuer auf. 

Zu den sonstigen Ausgaben zählt u. a. Saatkorn.

Für das Jahr 1879 hat Hinrich B. einen Gewinn von 257,04 Mark errechnen können. Beim Durchblättern seines Einnahmen- und Ausga-benbuches fällt auf, dass nicht in jedem Jahr ein positives Ergebnis erzielt worden ist. 






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